Titelbild mit der Frage: Braucht digitales Marketing einen ROI? – Artikel von Felix Schmitz

Braucht digitales Marketing einen ROI?

Deshalb braucht digitales Marketing keinen zwangsläufigen ROI.

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Geschrieben von
Felix Schmitz

Wie oft sitzt du vor deinen Werbeausgaben, starrst auf die Abbuchungen von Meta, Google oder deinem Freelancer und fragst dich mit zusammengekniffenen Augen: „Und was hat mir das jetzt ganz genau gebracht?“

Wir sind darauf konditioniert, digitales Marketing wie einen magischen Münzautomaten zu betrachten. Wir werfen oben einen Euro rein und erwarten, dass unten bitteschön zwei Euro wieder herauskommen. Wenn das nicht sofort passiert, kriegen wir Panik. Wir schalten die Anzeigen ab, streichen das Budget und kommen zu dem Schluss: „Marketing funktioniert für mich einfach nicht.“

Besonders wenn du als Unternehmer mit beschränkten Ressourcen startest, fühlst du den Druck, dass jede einzelne Aktivität profitabel sein muss. Du hast kein Geld zu verschenken. Jeder Cent muss sich rechtfertigen. Aber genau diese Besessenheit vom sofortigen ROI (Return on Investment) ist oft der Grund, warum dein Business trotzdem stagniert.

Das Dilemma der Messbarkeit

Das Problem im digitalen Marketing ist Fluch und Segen zugleich: Alles ist messbar. Klicks, Views, Conversions, Cost-per-Lead. Weil wir so viel messen können, glauben wir, wir müssten alles über den ROI definieren. Wir behandeln Marketing wie eine rein mathematische Gleichung.

Dabei vergessen wir etwas: Marketing ist keine Excel-Tabelle. Marketing ist Kommunikation mit echten Menschen. Und Menschen sind keine Algorithmen, die nach einem Klick sofort eine Kaufentscheidung treffen.

Wer Marketing nur über den sofortigen Profit definiert, verbaut sich den Weg zu einem echten, nachhaltigen Business. Du fängst an, „angstgetriebenes“ Marketing zu machen. Du wirst kurzfristig, du wirst hektisch und du verlierst den Blick für das große Ganze.

In diesem Beitrag möchte ich dich dazu einladen, den Taschenrechner kurz beiseitezulegen. Ich möchte dir zeigen, warum Marketing manchmal einfach gemacht werden muss – völlig ungeachtet des ROIs. Klingt provokant? Dann warte ab, was Grant Cardone dazu zu sagen hat.

Was hat eigentlich keinen ROI?

Stell dir vor, du mietest ein neues Büro für dein Team. Du achtest auf die Lage, die Miete, die Schreibtische. Und natürlich gibt es dort eine Toilette.

Würdest du dich jemals vor diese Toilette stellen, die Arme verschränken und dich fragen: „Was ist eigentlich der ROI dieser Toilette? Wie viel Umsatz hat mir das stille Örtchen heute konkret eingebracht?“

Natürlich nicht. Die Frage ist lächerlich. Du brauchst die Toilette, weil du Menschen beschäftigst. Du brauchst sie, weil ein professionelles Arbeitsumfeld ohne sie nicht existiert. Sie ist Teil der Infrastruktur.

Infrastruktur vs. Investment

Wir behandeln Marketing oft wie ein hochriskantes Aktieninvestment, dabei ist es in der heutigen Zeit viel mehr wie der Stromanschluss oder die besagte Toilette. Es ist die digitale Infrastruktur deines Unternehmens.

Wenn du heute ein Business aufbaust, ist Sichtbarkeit kein „optionales Extra“, das sich ab dem ersten Tag rechtfertigen muss. Es ist das Fundament. Ohne digitales Marketing bist du für den Markt schlichtweg unsichtbar. Und wer unsichtbar ist, existiert nicht.

Marketing als Grundrauschen

Marketing ist das „Grundrauschen“ deines Erfolgs. Wenn du Anzeigen schaltest, Content erstellst oder deine Brand aufbaust, schaffst du die Umgebung, in der Verkäufe überhaupt erst stattfinden können.

Manche Dinge im Business macht man nicht, weil sie eine sofortige Rendite abwerfen, sondern weil man eben ein ernsthaftes Unternehmen führen möchte. Wenn du dich weigerst, in Marketing zu investieren, nur weil du den ROI nicht bis auf die dritte Nachkommastelle belegen kannst, ist das so, als würdest du die Toilette in deinem Büro sperren, um Wasserrechnungen zu sparen. Ja, du sparst kurzfristig Geld – aber langfristig will niemand in so einem Gebäude arbeiten (oder von so einem Unternehmen kaufen).

Wir müssen anfangen zu verstehen: Marketing ist die Miete, die wir zahlen, um im Bewusstsein unserer Kunden wohnen zu dürfen. Und Miete hat keinen direkten ROI – sie sorgt schlichtweg dafür, dass wir ein Dach über dem Kopf haben.

Das Problem mit der Kurzfristigkeit (besonders am Anfang)

Vielleicht kennst du das: Du startest eine Kampagne, postest motiviert drei Wochen lang Content oder schaltest deine ersten Ads. Nach 14 Tagen checkst du die Zahlen. Kein Verkauf. Vielleicht ein paar Klicks, aber nichts Zählbares auf dem Konto. Dein Gehirn schaltet sofort in den Überlebensmodus: „Stopp! Das verbrennt nur Geld! Wir müssen das sofort optimieren oder abbrechen!“

Das Problem ist: Wenn du gerade erst am Anfang stehst, ist es nicht nur ambitioniert, sondern fast schon unfair dir selbst gegenüber, einen sofortigen ROI zu erwarten. Warum? Weil du am Anfang nicht für Verkäufe zahlst – du zahlst für Daten.

Die „Lehrgeld-Phase“

Stell dir vor, du würdest eine neue Sprache lernen. Würdest du nach zwei Wochen Französisch-Kurs frustriert aufhören, weil du noch keine philosophischen Debatten in Paris führen kannst? Wahrscheinlich nicht. Du akzeptierst, dass die ersten Monate eine Investition in die Grundlagen sind.

Im digitalen Marketing ist es exakt das Gleiche. Die ersten Euros, die du ausgibst, sind dein „Lehrgeld“. Du kaufst dir Informationen:

Wenn du in dieser Phase nur auf den ROI starrst, brichst du ab, bevor der Lerneffekt einsetzen kann. Du ziehst den Stecker, kurz bevor die Maschine warmgelaufen ist.

Ambition vs. Realität

Versteh mich nicht falsch: Natürlich ist es das Ziel, profitabel zu sein. Aber wenn du noch kein zehnköpfiges Marketing-Team im Rücken hast, das den ganzen Tag nichts anderes tut als Funnels zu optimieren, dann ist der Fokus auf den sofortigen ROI pures Gift für deine Kreativität.

Angstgetriebenes Marketing ist niemals gutes Marketing. Wenn du mit dem Taschenrechner hinter jedem Post stehst, verlierst du deine Stimme. Du traust dich nicht mehr, mal etwas Neues auszuprobieren oder einfach mal „echt“ zu sein, weil du Angst hast, dass dieser eine Post keinen direkten Ertrag bringt.

Am Anfang deines Business sollte der Fokus auf Konsistenz und Präsenz liegen, nicht auf der perfekten Rendite. Du musst dir erst einmal das Recht verdienen, dem Markt etwas zu verkaufen – und dieses Recht kaufst du dir durch Beständigkeit, nicht durch eine einmalige „Glücks-Anzeige“.

Marketing als Vertrauensaufbau (und warum du dabei „lean“ bleiben musst)

Stell dir vor, du triffst jemanden zum ersten Mal und er versucht dir sofort, innerhalb der ersten fünf Minuten, einen Heiratsantrag zu machen. Du würdest wegrennen, oder? Im Marketing machen wir aber oft genau das: Wir schalten eine Anzeige und erwarten, dass der Wildfremde sofort sein Portemonnaie zückt.

Wahrer Erfolg im digitalen Marketing basiert auf Vertrauen. Und Vertrauen braucht Zeit. Wie misst man den ROI eines potenziellen Kunden, der dir seit sechs Monaten auf LinkedIn folgt, jeden deiner Beiträge liest, aber nie liked oder kommentiert – und dann plötzlich nach einem halben Jahr eine E-Mail schreibt: „Ich beobachte dich schon lange, ich will jetzt mit dir arbeiten“?

Diesen „unsichtbaren Wert“ erfasst keine Tracking-Software der Welt direkt beim ersten Post. Aber genau dieser Wert ist es, der dein Business langfristig trägt.

Bleib „lean“ – Fokus statt Verschwendung

Wenn ich sage, dass Marketing keinen sofortigen ROI braucht, meine ich damit nicht, dass du dein Geld blind zum Fenster rauswerfen sollst. Ganz im Gegenteil. Gerade weil du am Anfang vielleicht begrenzte Ressourcen hast, musst du lean bleiben – also schlank und effizient.

„Lean“ bedeutet im Marketing:

Der Fokus sollte darauf liegen, mit minimalem finanziellem Einsatz maximale Lernwerte zu generieren. Wenn du lean agierst, nimmst du den finanziellen Druck vom ROI. Du investierst Zeit und ein überschaubares Budget in den Beziehungsaufbau. Du bist einfach „da“. Du lieferst Wert, zeigst Expertise und wirst zur vertrauten Stimme im Kopf deiner Zielgruppe.

Die digitale Visitenkarte

Sieh dein Marketing in dieser Phase als eine Art lebendige, digitale Visitenkarte. Es geht darum, Präsenz zu zeigen, damit der Kunde, wenn sein Schmerz groß genug ist, an dich denkt. Das ist Branding. Und Branding ist die Infrastruktur, die Verkäufe überhaupt erst ermöglicht.

Indem du deine Marketingaktivitäten lean gestaltest, kannst du es dir leisten, geduldig zu sein. Du verbrennst nicht dein gesamtes Kapital in einem Monat in der Hoffnung auf den „Jackpot-ROI“, sondern du baust konstant und nachhaltig an deinem Fundament.

Vergiss nicht: Marketing sollte langfristig natürlich profitabel sein. Aber der Weg dorthin führt über eine Phase, in der du einfach nur „Existenzrecht“ im Markt beanspruchst.

Umdenken: Vom Taschenrechner zur Vision

Wenn du jeden Morgen mit dem Blick auf die Klickraten und die Kosten pro Lead aufwachst, wirst du wahnsinnig. Besonders als Einzelkämpfer oder kleines Team frisst dich dieser Kontrollzwang auf. Du fängst an, dein Marketing zu „tode-zu-optimieren“, bevor es überhaupt atmen konnte.

Stattdessen musst du den Fokus verschieben: Weg von kurzfristigen Klickraten, hin zu echter Relevanz.

Relevanz schlägt Reichweite

Ein riesiges Problem im digitalen Marketing ist die Jagd nach „Vanity Metrics“ (Eitelkeits-Kennzahlen). Wir freuen uns über 1.000 Likes oder 10.000 Views, aber wenn diese Menschen nicht zu deiner Vision passen, ist der ROI dieser Zahlen exakt Null.

Anstatt dich zu fragen: „Wie bekomme ich für 5 Euro die meisten Klicks?“, frage dich lieber: „Wie schaffe ich es, dass die zehn richtigen Leute verstehen, wofür ich stehe?“

Das ist das Lean-Prinzip in Perfektion: Verschwende keine Energie darauf, die ganze Welt zu erreichen. Konzentriere dich darauf, für deine Nische so relevant zu sein, dass sie dich nicht mehr ignorieren können. Wenn du eine klare Vision kommunizierst, ziehst du die Menschen an, die langfristig zu loyalen Kunden werden – auch wenn sie heute noch nicht kaufen.

Die zwei Töpfe deines Budgets

Um mentalen Frieden zu finden, hilft es, dein Marketing-Budget (und deine Zeit) in zwei Töpfe aufzuteilen:

  1. Topf A: Die Infrastruktur (Branding/Sichtbarkeit). Hier investierst du lean in Content, Beziehungsaufbau und Präsenz. Hier erwartest du keinen direkten ROI. Das ist die Miete, die du zahlst, um im Spiel zu bleiben.
  2. Topf B: Die Performance (Skalierung). Hier kommen die harten Zahlen ins Spiel. Hier schaltest du gezielte Kampagnen für ein konkretes Produkt.

Der Fehler der meisten Unternehmer ist, dass sie versuchen, Topf A mit den Regeln von Topf B zu bewerten. Sie wollen für ihre „Existenz“ im Markt eine sofortige Rendite sehen. Das funktioniert nicht.

Wann der ROI wirklich wichtig wird

Es kommt der Punkt, an dem der ROI zur wichtigsten Kennzahl wird. Und dieser Punkt ist die Skalierung.

Sobald dein Fundament steht, sobald deine Botschaft klar ist und du merkst, dass die Menschen auf dein Angebot reagieren, dann holst du den Taschenrechner wieder raus. Wenn die Infrastruktur (Topf A) steht, kannst du anfangen, in Topf B Kohle nachzulegen. Dann optimierst du jeden Cent, um das Maximum herauszuholen.

Aber – und das ist das große Aber: Du kannst nichts skalieren, was kein Fundament hat. Wer versucht, den ROI zu optimieren, bevor er seine Vision und sein „Warum“ klar kommuniziert hat, baut ein Kartenhaus im Sturm.

Hör auf, Marketing als eine lästige mathematische Hausaufgabe zu sehen. Sieh es als das Sprachrohr deiner Vision. Wenn du mit Leidenschaft und Beständigkeit dabei bleibst, wird der ROI irgendwann ganz automatisch an deine Tür klopfen. Nicht, weil du so toll gerechnet hast, sondern weil du dir einen Platz im Leben deiner Kunden erarbeitet hast.

Fazit: Marketing ist die Miete für deinen Erfolg

Wenn du heute eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann hoffentlich diese: Hör auf, digitales Marketing ausschließlich als eine kurzfristige Kostenstelle zu betrachten, die sich jeden Freitagabend rechtfertigen muss.

Marketing ist kein magischer Hebel, an dem du nur ziehst, wenn du gerade mal wieder 500 Euro übrig hast und hoffst, dass daraus 1.000 Euro werden. Marketing ist die Miete, die du zahlst, um in deiner Branche überhaupt präsent zu sein. Es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Menschen dich finden, dich kennenlernen und dir schließlich vertrauen können.

Baust du eine Excel-Tabelle oder ein Unternehmen?

Natürlich sind Zahlen wichtig. Niemand will Geld verbrennen – erst recht nicht, wenn man lean startet und mit seinen Ressourcen haushalten muss. Aber wenn dein Fokus zu 100 % auf dem sofortigen ROI liegt, baust du kein Unternehmen auf, sondern verwaltest lediglich eine Excel-Tabelle.

Ein echtes Business braucht Raum zum Atmen. Es braucht Zeit, um eine Brand zu entwickeln, die nicht nur über den Preis oder eine schnelle Anzeige funktioniert, sondern über echte Relevanz und eine starke Vision. Denke an die Analogie von Grant Cardone: Frag nicht nach dem ROI deiner Büro-Toilette. Frag dich lieber, ob dein Business ohne diese grundlegende Infrastruktur überhaupt überlebensfähig wäre.

Mein Rat für dich

Fang an, Marketing als Teil deiner Identität als Unternehmer zu sehen. Bleib dabei lean: Nutze einfache Mittel, sei authentisch, konzentriere dich auf deine Nische und vermeide teuren Schnickschnack, den du noch nicht brauchst. Aber bleib vor allem dran.

Konstanz schlägt Brillanz fast jedes Mal. Wenn du über Monate hinweg sichtbar bleibst, ohne nervös auf den ROI zu schielen, baust du ein Fundament aus Vertrauen auf, das deine Konkurrenz – die bei mangelndem sofortigem Profit sofort wieder aufgibt – niemals erreichen wird.

Gönn dir den Luxus, am Anfang nicht alles messen zu müssen. Gib deiner Vision die Chance, gehört zu werden. Der ROI wird kommen, ganz sicher. Aber er wird nicht der Grund sein, warum du angefangen hast – er wird die Belohnung dafür sein, dass du durchgehalten hast, als alle anderen nur auf ihre Klickraten gestarrt haben.

Also: Geh raus, zeig dich, bleib lean und bau dein Fundament. Dein zukünftiges Ich wird dir dafür danken, dass du die „Miete für deinen Erfolg“ heute mutig investiert hast.

Wo hast du dich bisher selbst blockiert, weil du zu sehr auf den sofortigen Ertrag geschaut hast? Welchen Teil deiner „Marketing-Infrastruktur“ wirst du ab heute mit mehr Gelassenheit angehen? Lass uns gerne austauschen. Schreib mir einfach bei LinkedIn.